Heul doch! Schrei doch!

Gefühle direkt und lautstark äussern vor allen Leuten? Geht gar nicht, meinen viele. Ausnahme: Fussballstadion! Da haben Freude und Wut die Erlaubnis zu ungehemmtem Ausdruck. Anders sieht es im (beruflichen) Alltag aus. Selbst wenn der Ärger noch so groß ist, wird sich jeder hüten, seinen Chef anzuschreien, denn der Preis dafür wäre zu hoch. Was geschieht aber mit Deiner Wut, wenn Du sie nicht zeigst? Du bekommst den sprichwörtlichen dicken Hals. Kommt das öfter vor, prägt sich der Körper die Reaktion ein. Der ursprüngliche Impuls (ich will schreien vor Wut) wird durch einen unbewusst eingeübten Widerstand dauerhaft am Ausbrechen gehindert. Wilhelm Reich definierte das als Panzerung. Er beschrieb genau die schwerwiegenden körperlichen Veränderungen, die schon ein Kind erlebt, wenn seine Gefühlsausbrüche abgelehnt oder gar bestraft werden: Muskeln und Bindegewebe verfestigen sich, um den als gefährlich erlebten Ausbruch der Wut schon im Keim zu ersticken. Mit den Jahren wird daraus ein regelrechter Panzer, der den gesamten Körper umfasst. Weil er auch dann da ist, wenn es gerade keine Wut zu unterdrücken gibt, erschwert er die Wahrnehmung von Gefühlen. Und er belastet so sehr den stimmlichen Ausdruck, dass es sich lohnt, genauer hinzusehen. Also: Was passiert im Körper, wenn Du vor Ärger einen dicken Hals bekommst, aber der Chef eine Antwort erwartet? Die Halsmuskulatur hält Deinen Kehlkopf fest, drückt ihn zusammen und zieht ihn hoch. Du nimmst Dich also selbst in den Würgegriff, damit der Wutimpuls im Bauch nicht ausbrechen kann. Was schliesslich als Antwort herauskommt, hört sich gepresst und gequält an, nach einigen Minuten Sprechens setzen vielleicht auch Halsschmerzen ein, denn die Zunge drückt gegen den hochgezogenen Kehlkopf und macht den berühmten Kloß im Hals. Die Wirkung auf den Gesprächspartner, den Chef, aber ist fatal. Er hört den Druck in der Stimme und interpretiert instinktiv: dieser Mitarbeiter ist nicht kooperativ, sondern mein Gegner. Verspielt. Deine Antwort kommt inhaltlich überhaupt nicht bei ihm an.

Aber gibt es eine Alternative? Ja, aber keine schnelle Patentlösung. Denn was in Jahrzehnten erlernt und als Handlungsmuster etabliert wurde, lässt sich nicht abstellen wie ein Auto. Aber bewusst zu hören und im Körper zu spüren, was mit mir geschieht im Moment des Ärgers, ist ein erster wichtiger Schritt heraus aus dem Ausgeliefertsein, hinein in die selbstbestimmte Handlungsfähigkeit. Dieser Moment des Innehaltens vor der Antwort eröffnet die Chance, den Druck loszulassen, um dann souverän zu antworten, im Vollbesitz einer klangvollen Stimme. Wichtig ist folglich, für diesen Stimmklang eine innere Orientierung zu entwickeln: Wie fühlt es sich an, wenn der Klang sich im Körper ausbreiten darf und Vibrationen Hals und Brustraum beleben? Das unwillkürliche „Mmm- mh“ beim Duft Deiner Lieblingsspeise hilft dieser Erfahrung auf die Sprünge. Ausprobieren! Ist das ein gutes Gefühl? Bei mir im Unterricht gelingt mit dieser kleinen Übung regelmäßig ein freudiger Einstieg in die spannende Welt der Klangentwicklung. Und Schritt für Schritt wächst so das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Die alten, schädlichen Handlungsmuster können aufbrechen und den Raum frei geben für einen lebendigen und bewussten stimmlichen Ausdruck.


 

Hören muss Schulfach werden

Das fordert Julian Treasure in diesem Vortrag. Und er begründet diese Forderung mit den unabsehbaren Folgen für unser Menschsein, wenn wir das Hören noch weiter verlernen: Soziale Kälte, Vereinzelung, Ignoranz, Unterdrückung, Gewalt, Krieg. Seine einfachen Ratschläge für eine neue Hörkultur im Alltag sind ein Anfang.


 

"Lauter bitte!"

... ruft Dir aus der vorletzten Reihe jemand zu. „Ja, bitte etwas lauter!” stimmt noch jemand ein. Es ist vielleicht nicht das erste Mal. Und wie reagierst Du? Kannst Du Dich freundlich lächelnd dem Rufer zuwenden und ihn bitten: „Kommen Sie doch nach vorne, hier ist noch ein Platz frei,“ oder bekommst Du feuchte Hände und einen trockenen Hals, strengst Dich an, noch mehr als ohnehin schon - und bist nach zehn Minuten heiser und fertig, während Du mit Deinem Vortrag doch gerade erst begonnen hast?

Der große Trugschluss, dem so viele Menschen immer wieder aufsitzen ist der, dass die Worte da raus müssten, hin zu denen die sie hören sollen. Als ob man den Klang seiner Stimme in den Raum blasen müsste. Und so strengt man sich an, beginnt unwillkürlich mehr und höher zu atmen, fängt an zu schreien, wird heiser und erreicht damit genau das Gegenteil des Gewünschten: Die Zuhörer werden unruhig, weil sie Dich immer weniger verstehen und Dein Stresspegel steigt mit jeder Minute. Können wir damit Schluss machen?

Die Physik kann uns nämlich die tatsächlichen Verhältnisse erklären: Der Klang entfaltet sich innen, im Körper. Angeregt durch die Schwingung der Stimmlippen entsteht dort eine stehende Welle. Das bedeutet, dass die Luft im Inneren so stark angeregt wird, dass sie schwingt und pulsiert. Die Luftmoleküle an der Grenze zwischen innen und außen bekommen einen Energiestoß und geben den Klangimpuls weiter, von einem Luftmolekül zum nächsten, bis zum Ohr der Hörer, 10, 20, 50 m weiter - in Schallgeschwindigkeit. Die beliebteste Veranschaulichung dafür ist der Dominostein-Effekt: fällt der erste um, lässt sich das Umfallen der übrigen gar nicht verhindern, der Impuls geht durch bis zum letzten Stein in der Reihe.

Was heißt das nun für Deine Praxis als Redner oder Sänger? Die Sorge um das Gehörtwerden da draußen erledigt sich, wenn der Klang freie Entfaltungsmöglichkeiten in Deinem Inneren vorfindet. Es ist wie mit einem guten Instrument, das es dem Musiker durch seine optimale Resonanzfähigkeit leicht macht, einen großen Klang zu entfalten. Die stehende Welle, die in Deinem Inneren entsteht, sobald die Stimmlippen schwingen, wirkt auf das umliegende Körpergewebe. Du kannst spüren, wie es vibriert. Vielleicht bemerkst Du es zuerst am Hals oder am Brustbein, aber je länger und intensiver Du Dich mit den Auswirkungen Deines Klanges beschäftigst, desto mehr Bereiche Deines Körpers werden Lust bekommen, auch mitzuvibrieren. Die Zellen Deines Körpers mögen das nämlich sehr gerne. Sie können nur leider nicht vibrieren, wenn sie mit Festhalten beschäftigt werden. Gerade wenn wir lauter sprechen wollen, kommt ganz schnell Anspannung ins Spiel. Da werden Muskeln aktiviert, die beispielsweise die Bauchdecke straffen, oder den Kehlkopf einklemmen. Der festgehaltene Bauch und der dicke Hals können aber nicht in Resonanz gehen mit den Schwingungen der Stimmlippen, sie können sie nur zurückstoßen, wie der Asphalt den Tennisball. Resonanz fühlt sich anders an: Sie ist mühelos und frei - und lustvoll.

Dass es genau so kommt, hat eine entscheidende Bedingung: die Atemluft darf die stehende Welle in Deinem Inneren nicht stören. Das Ausatmen wird daher beim Sprechen oder Singen so stark verlangsamt, dass die Luft nahezu steht. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, den schon ein Säugling beherrscht. Und Du weißt, wie laut er schreien kann! Davon wussten bereits unsere singenden Vorfahren vor dreihundert Jahren. Entsprechend wurde überliefert, dass die Chorknaben damals zum Üben eine brennende Kerze eine Handbreit vor den Mund hielten, und wenn nun während des Singens die Kerzenflamme weder flackerte noch gar ausging, wussten sie, dass sie es richtig machten.

Kommt es aber bei der Klangerzeugung zu einer Luftbewegung, beispielsweise weil Du Dich gerade bemühst, lauter zu sprechen, bricht die stehende Welle zusammen. Der Klang hört sich verhaucht und substanzlos an, er wird als leiser empfunden. Viele Menschen lernen instinktiv, wie sie das verhindern können: sie entdecken irgendwann, dass sie dem Atemstrom einen Widerstand entgegensetzen und so die Schwingung der Stimmlippen doch wieder ermöglichen können. Aber dafür muss man sich anstrengen: Druckaufbau für einen höheren Atemstrom und Widerstand dagegen, der den Atemstrom wieder bremst, braucht Muskelkraft. Und weil das dafür aktivierte Muskelgewebe nicht mehr in Resonanz mit der Schwingung der Stimmlippen gehen und den Klang so verstärken kann, braucht es mehr Druck und mehr Widerstand, also mehr muskuläre Anstrengung, damit es vielleicht ein klein wenig lauter wird. Das ist wie in der Rüstungspolitik. Es wird immer weiter gerüstet, denn käme das Gleichgewicht der Kräfte ins Wanken, wäre die eigene Sicherheit in Gefahr - denkt der Verstand und verhindert das druckfreie Entstehen von Klang. „Muskeln kann man ja trainieren, mache ich im Sport doch auch“, meint so mancher und nimmt die Anstrengung in Kauf. Doch die Nebenwirkungen lassen nicht lange auf sich warten: Druck und Gegendruck belasten die Klangerzeugung an ihrem entscheidenden Punkt, den Stimmlippen. Die werden dadurch verschlissen. Stimmlippenödeme und sogenannte Knötchen sind die mittelfristige Folge einer andauernden Überlastung. Also, wie war das mit der Resonanz und dem mühelosen, lustvollen Sprechen und Singen?

An dieser Stelle kommen Deine Ohren ins Spiel. Denn die können den Unterschied hören, wenn Dein Bauch locker bleibt, anstatt Luft gegen die Stimmlippen zu pressen. Du kannst es am Klang wahrnehmen, wenn in Folge dessen auch der Kehlkopf nicht mehr festgeklemmt werden muss. Du bemerkst die hörbare Veränderung, wenn Dein Körper vibriert, anstatt festzuhalten. Mit gesungenen oder auch nur gebrummten Tönen wird es Dir am Anfang wahrscheinlich leichter fallen, Unterschiede wahrzunehmen, als beim Sprechen mit den fortwährenden Veränderungen durch die Artikulation von Worten. Experimentiere einfach mal damit! Wenn Du Dich brummend oder tönend eine Weile intensiver mit dem Klang in Deinem Inneren beschäftigst, wird die eine oder andere Überraschung nicht ausbleiben. Vielleicht spürst Du Vibrationen an bisher unbekannten Orten in Deinem Körper, vielleicht melden Deine Ohren, dass der Klang Deiner Stimme ganz von alleine voller und lauter wird. Womöglich bekommst Du auch von Zuhörern ein Kompliment, das Du so nicht erwartet hast.

Es braucht etwas Disziplin und Geduld, sich auf den Klang und seine Wirkung im Inneren einzulassen. Nach meiner Erfahrung aus zwanzig Jahren Stimmpädagogik ist das aber die nachhaltigste Strategie, wenn Sprechen und/oder Singen zu Deinem beruflichen Alltag gehört, oder Du es zu Deinem Beruf machen willst. Denn so wird nicht eine kraftzehrende Technik durch eine noch anstrengendere und Verschleiß fördernde ersetzt, sondern Du selbst kannst Dir die gesunden und verlässlichen Grundlagen schaffen, um Dir jede gewünschte stimmliche Ausdrucksform zu ermöglichen. Und dann darf es durchaus auch mal lauter werden. Mit der Unterstützung durch einen verantwortungsvollen Stimmtrainer Deines Vertrauens macht dieser Entwicklungsweg auch richtig Freude.


 

Rezeptive Musiktherapie

Eine sehr persönliche Sicht auf die Wirkung von Musik, belegt mit einem wunderbaren Zitat von Robert Schumann: "Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens, das ist des Künstlers Beruf."

 hier mehr zu rezeptiver Musiktherapie.


 

Echoortung: der unbewusste Sinn

Bereits vor 20 Jahren machten die "Bats" von sich reden: Blinde Menschen, die sich, zuerst in New York, dann auch in Metropolen an der Westküste, per Zungenschnalzen orientierten, wie Fledermäuse. Nun also als Frühförderprogramm auch hierzulande. Super! >> http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/felix-macht-s-wie-die-fledermaus--73185390.html

Vergessen wird dabei, dass alle Menschen Echoortung beherrschen, nur bleibt dieser räumlich-akustische Orientierungssinn den Allermeisten ein Leben lang unbewusst. Er wird vom bewusstseinsgekoppelten Sehsinn dominiert. Nur wer sich den akustischen Orientierungssinn bewusst macht, zum Beispiel im Rahmen eines Stimm-bewusst Trainings, merkt irgendwann, dass die gehörte Raumwahrnehmung sehr verlässlich ist: Die Richtung aus der Schritte auf mich zukommen, die Grösse eines unbekannten Raumes im Dunkeln, sie lassen sich überraschend genau abschätzen. Der hochfrequente Anteil der uns ständig umgebenden Alltagsgeräusche gibt ein Mass an Orientierungssicherheit, die unser Sehsinn alleine niemals vermitteln könnte. Und mit etwas sportlichem Ehrgeiz gelingt noch viel mehr: Die Entwicklung eines tragfähigen und lebendigen Stimmklangs. Dessen Wirkung beruht genau auf diesen hochfrequenten Klanganteilen, die uns die akustische Ortung möglich machen. Unser Hörsinn bevorzugt von sich aus, also unbewusst, diese Klanganteile und sucht sie auch im Stimmklang. Das dürfen wir uns "schamlos" zu Nutze machen und diese Frequenzen bewusst einladen beim Singen und Sprechen. Die Ohren werden sich freuen über die Zuwendung und ihre volle Unterstützung geben. Und die Zuhörer, ob im Gespräch, beim Vortrag, oder auf der Bühne, werden ganz anders Ohr sein, wenn sie diese Signale empfangen. Das Leben wird reicher und genussvoller mit Echoortung.

 


 

Der Hirnforscher Gerald Hüther schlägt eine neue Sicht auf die kindliche Entwicklung vor. Aber wer will hören, welche Konsequenzen wir daraus für Erziehung und Wissensvermittlung ziehen müssen?


… und noch ein lesenswertes Statement von Gerald Hüther:

 Singen ist „Kraftfutter“ für Kindergehirne
Die Bedeutung des Singens für die Hirnentwicklung

Kindergehirne entwickeln sich nicht von allein. Damit es unseren Kindern gelingt, in ihrem Gehirn all die vielen komplexen Netzwerke herauszuformen, die erforderlich sind, um sich später im Leben zurechtzufinden, brauchen sie unsere Hilfe. Wir müssen ihnen zeigen und sie ermutigen, all das zu erlernen, worauf es im Leben ankommt. Dabei geht es weniger um den Erwerb von Wissen, sondern vor allem um die Aneignung all jener Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie in die Lage versetzen, sich mit der Welt in Beziehung zu setzen und sich dabei selbst Wissen anzueignen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Alles, was die Beziehungsfähigkeit von Kindern – zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Natur und zur Kultur in der sie leben – verbessert, ist deshalb die wichtigste „Entwicklungshilfe“, die wir unseren Kindern bieten können. Indem Kinder gleichzeitig mit sich selbst, mit anderen Menschen und dem was sie umgibt, in Beziehung treten, stellen sie auch in ihrem Gehirn Beziehungen zwischen den dabei gleichzeitig aktivierten neuronalen Netzwerken her, erhöhen sie das Ausmaß der Konnektivität. Die Gelegenheit, bei dessen Kindern das gelingt, sind Sternstunden für Kindergehirne.
Sie werden in einer von Effizienzdenken, Reizüberflutung, Verunsicherung und Anstrengung geprägten Lebenswelt leider immer seltener.
Im gemeinsamen, unbekümmerten und nicht auf das Erreichen eines bestimmten Zieles ausgerichteten Singen erleben Kinder solche Sternstunden. Sie sind Balsam für ihre Seele und Kraftfutter für ihr Gehirn.
In solchen Augenblicken werden in ihrem Gehirn gleichzeitig sehr unterschiedliche Netzwerke aktiviert und miteinander verknüpft:

Es kommt beim Singen zu einer Aktivierung emotionaler Zentren und einer gleichzeitigen positiven Bewertung der dadurch ausgelösten Gefühle. So wird das Singen mit einem lustvollen, glücklichen, befreienden emotionalen Zustand verkoppelt („Singen macht das Herz frei“). Das gemeinsame, freie und lustvolle Singen führt zu sozialen Resonanzphänomenen. Die Erfahrung von „sozialer Resonanz“ ist eine der wichtigsten Ressourcen für die spätere Bereitschaft, gemeinsam mit anderen Menschen nach Lösungen für schwierige Probleme zu suchen („wo man singt, das laß´ Dich richtig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“). Gemeinsames Singen mit anderen aktiviert die Fähigkeit zur „Einstimmung“ auf die Anderen und schafft so eine emotional positiv besetzte Grundlage für den Erwerb sozialer Kompetenzen (Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen, Selbstdisziplin und Verantwortungsgefühl). Da das Singen am Anfang immer mit anderen und mit der dabei empfundenen positiven emotionalen Besetzung erfolgt, kommt es zu einer sehr komplexen Kopplung, die später im Leben, auch beim Singen ganz allein für sich wieder wachgerufen wird (Singen macht froh und verbindet).Beim Singen kommt es individuell zu sehr komplexen Rückkopplungen zwischen erinnerten Mustern (Melodie, Tempo, Takt) und dem zum Singen erforderlichen Aufbau sensomotorischer Mustern (Wahrnehmung und Korrektur der eigenen Stimme). Singen ist also ein ideales Training für Selbstreferenz, Selbstkontrolle, Selbststeuerung und Selbstkorrektur.Zusätzliche, sich ebenfalls automatische einstellende „Nebeneffekte“ des Singens sind:

Erleichterung von Integrationsprozessen (Migranten, Behindete etc.)
salutogenetische Wirkungen (Singen heilt Wunden)
Generationenübergreifende Wirkungen (Alt und Jung)
Erleichterung des Spracherwerbs (Singtherapie bei Sprachentwicklungsstörungen)
transgenerationale Weitergabe von Kulturleistungen (Volkslieder, Singtraditionen etc.)

Es ist eigenartig, aber aus neurowissenschaftlicher Sicht spricht alles dafür, dass die nutzloseste Leistung, zu der Menschen befähigt sind – und das ist unzweifelhaft das unbekümmerte, absichtslose Singen – den größten Nutzeffekt für die Entwicklung von Kindergehirnen hat.
Darüber lohnt es sich, etwas länger nachzudenken.